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Helostoma temminckii

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Inhaltsverzeichnis

 

Artbeschreibung

Cuvier & Valenciennes, 1831

Weitere Namen

Synonyme: Helostoma servus, H. tambakkan, H. oligacanthum, H. rudolfi

Der Gattunsname bezieht sich auf die Maulform, der Artname ehrt den niederländischen Arzt C. J. Temminck, der in der Erforschung der südostasiatischen Fauna tätig war. Der gebräuchlichste deutsche Name ist Küssender Gurami wegen des auffälligen Imponier-und Kampfverhaltens der Fische, bei dem die Gegner die Lippen akkurat aufeinander passen und sich versuchen, gegenseitig wegzuschieben.

Vorkommen & Verbreitung

Helostoma temminckii hat eine typisch südostasiatische Verbreitung, die Thailand, Kambodscha, Südlaos, Südvietnam, Malaysia und die indonesischen Inseln Sumatra, Java und Borneo umfaßt. Dies ist die wahrscheinliche ursprüngliche Verbreitung der Fische, wegen seiner Verwendung als Speisefisch wurden sie in vielen anderen Gebieten eingeführt.
So sind Vorkommen auf den Philippinen, in Australien, Papua Neuguinea, Australien, Kolumbien und Florida bekannt. Sogar Kanada ist als allochthones Vorkommen in der Literatur erwähnt, was aber bei einer tropischen Fischart schwer zu glauben ist. Helostoma temminckii bewohnt vor allem organisch belastete planktonreiche Gewässer. Wegen seiner Anspruchslosigkeit und seines schnellen Wachstums wird H. temminckii oft in Teichen gehalten, in die die Abwässer von Schweine- und Geflügelhaltungen fließen.

Beschreibung und Geschlechtsunterschiede

Helostoma temminckii erreicht laut Literatur eine Gesamtlänge von bis zu 30 cm, solche Tiere sind aber extrem selten, meist werden nur 20cm erreicht. Die Geschlechtsreife erreichen die Fische mit 10cm. Helostoma ist ein gedrungen hochrückiger, mit der langen kammförmigen Rückenflosse barschartig wirkender Fisch. Als Ausnahme unter den asiatischen Labyrinthfischen ist bei H. temminckii die Rückenflosse länger angesetzt als die Afterflosse und hat auch mehr Stacheln. Die Schwanzflosse ist gerade abgeschnitten. Das auffälligste an Helostoma ist das Maul. Die Lippen sind lappig vorgestülpt und werden ständig auf- und zugeklappt.

Von H. temminckii gibt es drei Farbformen, einmal die Wildfarbe, die silbrig ist mit Längsreihen kleiner dunklerer Punkte. Rücken- und Afterflosse tragen jeweils ein dunkles Längsband. Der Schwanzansatz trägt ein dunkles senkrechtes Band . Der Rücken und die Kopfoberseite sind glanzlos grau, Bauch und Kehle sibergänzend, dieser silberne Glanz läuft auf den Kiemendeckeln zu zwei breiten Senkrechtstreifen aus.

Die zweite Farbform ist eine rosa-farblose Zuchtform mit dunklen Augen, außerdem gibt es eine rosa Form mit dunklen Flecken. Obwohl die Zuchtformen mit ihren vorgestülpten Lippen und ihrer rosa Farbe etwas schweinchenartig wirken, sind sie in der Aquarienhaltung wesentlich beliebter als die Wildform. Die Geschlechter sind äußerlich nicht zu unterscheiden, erst in der Laichzeit zeigen sich die Weibchen durch den Laichansatz etwas kräftiger in der Gestalt.

Haltungsbedingungen, Ansprüche und Ernährung

Wegen der zu erreichenden Endgröße, des lebhaften Verhaltens und der nicht geringen innerartlichen Aggressivität braucht Helostoma temminckii große Becken. Unter 300 Liter für eine Fünfergruppe sollte man gar nicht erst anfangen. Das größte Problem bei der Pflege von H. temminckii ist der Erwerb von gesunden und vitalen Fischen. Die Art wird, vor allem in der fleischfarbenen Zuchtform, regelmäßig im Handel angeboten. Diese Fische sind aber wegen ihrer Ernährungsweise, die normalerweise vom Zoohandel nicht ausreichend berücksichtigt wird, in einem sehr schlechten Zustand, und es ist sehr schwierig, sie wieder herauszufüttern. Küssende Guramis sind Planktonfresser, die nur kleine Brocken schaffen. Ein mittelgroßer Wasserfloh wird schon nicht mehr bewältigt. Bei der Hälterung in Zoohandelsaquarien kommen die langsam fressenden Helostoma in der Regel zu kurz. Ein weiteres Problem ist die bei ständig Hunger leidenden Fischen hohe Aggressivität gegenüber Artgenossen. Während ausreichend ernährte Tiere zwar durchaus futterneidisch, aber nicht wirklich aggressiv sind, neigen mangelernährte Helostoma dazu, Artgenossen nicht ans Futter zu lassen. Kauft der Aquarianer im Zooladen schon etwas abgemagerte Tiere, so gelingt es ihm höchstens, das Stärkste am Leben zu halten. Anders ist es, wenn es gelingt, gut im Futter stehende Fische zu erwerben. Man sollte Helostoma stets in der Gruppe pflegen, also mindestens vier Tiere. „Paarweise“ Haltung ist Unfug, erstens, weil die Geschlechter erst bei laichreifen Tieren zu erkennen sind, zweites, weil sich der „Futterneid“ des Größeren nur auf einen Schwächeren entlädt, mit dem Erfolg, daß der nicht mehr zum Fressen gelassen wird. In der Gruppe kommt es auch zu ständigen Plänkeleien mit Breitseitimponieren und „Küssen“, aber die Aggressionen verteilen sich und alle werden groß. In solch eine Gruppe können problemlos weitere, auch erheblich kleinere Tiere integriert werden. Die Wasserwerte spielen bei der Pflege und Zucht von H. temminckii keine große Rolle, mittlere Härte und neutraler pH sind völlig in Ordnung. Die Temperatur sollte zwischen 23 und 27 Grad liegen. Die Becken sollten strukturreich mit Pflanzen und Wurzeln eingerichtet sein damit unterlegene Fische Deckung finden und damit die Tiere Substrate zum Abweiden haben. Helostoma lutscht ständig Gegenstände ab auf der Suche nach dort lebenden Kleinorganismen und abgesunkenem Detritus. Je mehr Beschäftigung die Fische haben, um so geringer fällt die innerartliche Aggressivität aus.

Gefressen wird so ziemlich alles, es muß nur klein genug sein. Die größte Freude kann man seinen Helostoma mit Artemianauplien machen. Vor allem zum Herausfüttern etwas abgekommener Tiere ist Artemia ein sehr gutes Futter. Aber auch feines Trockenfutter wird genommen. Vor allem die käufliche Futtertabletten, die an die Aquarienscheibe geklebt werden, werden sehr gerne genommen und entsprechen auch gut den Ansprüchen der Fische. Es müssen aber mindestens zwei Tabletten geklebt werden, sonst wird die eine Tablette vom stärksten Fisch der Gruppe monopolisiert. Helostoma sind keine Pflanzenfresser, Spinat oder Algensteine, wie sie zur Fütterung von aufwuchsfressenden Welsen und Cichliden benutzt werden, sind ungeeignet, ebenso gebrühte Salatblätter und ähnliches Grünzeug.

Küssende Guramis sind gegenüber artfremden Fischen völlig friedlich, sogar kleinste Jungfische anderer Arten werden komplett in Ruhe gelassen, Helostoma zeigen nicht die Spur eines Jagdverhaltens.

Verhalten

H. temminckii ist einer der wenigen asiatischen Labyrinther ohne Brutpflege, das heißt aber nicht, daß keine Reviere verteidigt werden. Die Fische sind Plankton- und Aufwuchsfresser, wobei der Aufwuchs nicht, wie fälschlich immer wieder beschrieben, abgeraspelt wird. Helostoma kämmt mit seinen Lippen lose Partikel aus dem Algenrasen. Außerdem wird Plankton mit schöpfenden Lippenbewegungen aus dem Wasser gefiltert und die Oberfläche abgesaugt. Wie viele „weidende“ Fische verteidigen die küssenden Guramis ihre Weidegründe gegen Konkurrenten. So kommt es immer wieder zu dem als Küssen fehlinterpretierten Maulschieben. Helostoma temmincki kann wegen seiner komplizierten Maulanatomie nicht beißen, die Fische pressen also ihre Mäuler aufeinander und versuchen sich ruckartig wegzuschieben. Gelaicht wird nach längerem Treiben des Weibchens in den Abendstunden, hierzu wird kein Revier gebildet. Die Fische umschlingen sich einfach irgendwo und geben ihre Geschlechtsprodukte ins Wasser ab. Eine Brutpflege findet nicht statt.

Vermehrung

Wegen der Größe der Fische und dem lebhaften Treiben sollten für die Zucht Aquarien von mindestens 100cm Kantenlänge benutzt werden. Wie schon erwähnt, betreibt Helostoma keine Brutpflege. Es kommt zwar vor dem Ablaichen zu einer kurzfristigen Paarbindung, es wird aber kein Revier gebildet. Die Fische umschlingen sich nach Labyrinthfischart in Bodennähe und die besamten Eier steigen zur Oberfläche auf. Nach H. J. Richter kann ein gut konditioniertes mittelgroßes Weibchen fünftausend Eier produzieren. Diese Eier sind sehr klein, die frischgeschlüpften Jungfische auch. Sie müssen also mit Infusorien oder Rädertierchen angefüttert werden. Erst nach ca. einer Woche werden Artemia-Nauplien gefressen. Es empfiehlt sich ohnehin, nur einen kleinen Teil des Laichs zur Aufzucht abzufischen und den Rest den Eltern zur „Entsorgung“ zu überlassen. Die Jungfische sind sehr schnellwüchsig, nach vier Wochen könne sie schon drei Zentimeter lang sein.

Besonderes

Helostoma wird in seinen Heimatländern in Teichen gezüchtet. Dazu werden in die trocken gefallenen Teiche organische Materialien (Reisstroh, Hühnermist) eingebracht. Nachdem die Teiche entweder durch die einsetzende Regenzeit oder künstlich Bewässerung geflutet wurden, setzt reichliches Planktonwachstum ein. Die eingesetzten laichreifen Helostoma laichen in den nächsten Tagen ab und für die rasch schlüpfenden Jungfische ist der Tisch gedeckt.
Wegen seiner Größe wird Helostoma so gut wie nie in der Aquaristik gezüchtet. Alles, was aus Asien importiert wird, ist Überschuß aus den kommerziellen Teichzuchten. Die rosa Zuchtform ist fast immer im Handel, wildfarbene Tiere sind nur ausnahmsweise zu bekommen.

Bilder

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H. temminckii
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H. temminckii
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